Natur
„Der Ton des Seins erklingt ohne Unterlass. Die Frage ist, ob wir als Instrument so gestimmt sind, dass er in uns widertönt und wir ihn hören.
K. Graf Dürkheim
Unten rechts auf dieser Seite sehen Sie ein Klangbild. Die formschaffende Kraft von Klangschwingungen bilden sich im beschallten Wasser ab: ein Sinuston mit der Frequenz von 105,28 Hertz ordnet sich zur Doppelspirale. Dieses Ursymbol der Schöpfung findet sich – zur festen Form geworden – in vielen Naturerscheinungen, z. B. auch in vielen Blütenböden, wie Sie es wohl schon selbst bei der Sonnenblume wahrgenommen haben!
 
Die Welt ist Klang! Es gibt einen hörbaren und einen für uns unhörbaren Klang. Der Klang ist durch ganzzahlige Schwingungen definiert und unterscheidet sich eben dadurch von vielen anderen möglichen Schwingungen, die nicht ganzzahlig sind und deshalb „Schwingung“ bleiben und nicht „Klang“ genannt werden können. Auf diese Ordnung basiert seit Pythagoras unser ganzes Zahlenverständnis der Mathematik! (Lambdoma Schema nach Rudof Haase)
 
Nur wo Klang ist werden kristallisationsartige Prozesse ausgeführt, bilden sich Muster und Formen in unendlichen Ausführungen der Natur, die wir als so schön und harmonisch empfinden: an Sonnenblume und Farnblättern, auf Muscheln und Schnecken, in Zapfen und Früchten, auf Sand und Stein, die Wirbel in Wasser und Luft, in unseren Strukturen von Knochen und Muskeln, in Strukturen von Molekülen – etwa der Doppelhelix der DNA – oder in den Spiralen der Galaxien!
Konkretisiert man diese mathematischen Beziehungen, die der Physiker Heisenberg als Quelle des Schönen bezeichnet hat, bietet sich das Wort Klang an. Ist Klang also die Quelle des Schönen? Und weiter: da es kein Chaos gibt – da Chaos nur eine für unsere Sinne (noch) nicht erkennbare Ordnung und Harmonie ist – ist Klang die Quelle alles Geschaffenen?
Ist der Urknall Klang? Jetzt nähern wir uns sogar unter den Prämissen der Wissenschaft, die die Natur mit ihren großartigen technischen Mitteln immer genauer untersucht, den Auffassungen der alten Mythen, Sagen, Legenden und spirituellen Überlieferungen in nahezu allen Kulturen der Erde: Gott schuf die Welt durch Klang?
Erweisen sich die alten Mythen doch als wahr und könnte es nicht sein, dass die Theorie des „Big Bang“ ein plausibler moderner Mythos ist – dem zeitgenössischen Bewusstsein so angemessen, wie die Schöpfungsgeschichte des Moses dem Bewusstsein des zweiten vorchristlichen Jahrtausends angemessen war. Dann wäre es nur die moderne transformierte Form der gleichen Schöpfungsgeschichte, denn in vielen Völkern der Welt meinen die Mythen und Schöpfungsgeschichten, dass das Universum mit einem ungeheuren Ton, dem Ur-Ton – dem Ur-Wort begonnen hat.
Halten wir fest: das entscheidende Charakteristikum des Mythos ist also das „Spiegelphänomen“. Der Mythos spiegelt die Gesellschaft, in der er entstanden und lebendig ist. Die Idee des Urknalls – wahrhaftig – spiegelt die zeitgenössische Gesellschaft wieder mit ihrer Lärm- und Explosions-Fixierung. Nicht Logos, nicht Geist, nicht Wort – sondern Krach und Lärm!
Lärmverschmutzung ist eine neue zunehmende Belastung, die uns aus den natürlichen Schwingungsmustern wirft. Den heutigen Müttern ist nicht bewusst was sie tun, wenn sie zum Einschlafen statt zu singen (Klang) und das Kind zu wiegen (Halten) das Geräusch des Föns benützen und das Kind im Auto spazieren fahren. Technisch erstellte Frequenzen wirken anders als natürliche auf unser Gehirn! Wir neigen dazu, die Vorzüge und Möglichkeiten der Technik zu überhöhen und sind dabei, uns den eigenen Ast, das Natürliche, von dem wir ein Teil sind, abzusägen. Das Fatale ist, dass die Auswirkungen sich oft nicht gleich bemerkbar machen sondern erst nach Jahren in der Entwicklung eines Kindes oder nach Jahrzehnten, wie wir es beim Ökologiethema sehen.
Zurück zu den Mythen.
Mythen spiegeln also eine entsprechende Denkweise einer Kultur wieder: „wie ist die Beziehung des Menschen zur Natur?“ Dieses Thema besteht seit Ur-Zeiten und diese Beziehung, diese Inhalte werden immer wieder in neue, weiterentwickelte Stufen des Bewusstseins überführt.
Die moderne Wissenschaftstheorie hat gezeigt, auch wissenschaftliche Theorien können „Mythen“ sein, bzw. durch das zunehmende Wissen, welches sich der Mensch aneignet, verändern sich die Weltbilder, die Menschenbilder. So leben wir gerade in einer Zeitqualität, wo es notwendig ist, dass sogar die zentrale Idee des jetzt zu Ende gehenden mechanistischen und materialistischen Zeitalters ein Mythos wird – die Idee, der dieses Zeitalter seinen Namen verdankt: Materie.
Der Nährboden unserer westlichen Kultur, der auf Eroberung und Ausweitung von Besitz und Materie basiert, wird in Frage gestellt und verursacht einerseits tiefe Verunsicherung, die durch den Verlust der tradierten Werte ausgelöst wird und auf der anderen Seite ermöglichte er die Entstehung der „Grünen Bewegung“ und die anhaltenden und sich weltweit ausweitenden Diskussionen über ökologische Fragen.
 
Hat jemand Materie gesehen? Wir können Holz oder Eisen, die Strahlen der Sonne oder des Mondes sehen – aber Materie? Ist also plötzlich Materie – Mythos? Nicht einmal mehr ein plausibler Mythos, da doch seit fast hundert Jahren, seit Albert Einstein, die Zeit sich relativiert und dadurch sich die Wahrnehmung von Zeit und Raum verändert. In den Vorstellungen der Neuen Physik bleibt also schon lange nicht mehr übrig als Leere und Feld!!!! Das neue Weltbild der Physik läuft auf die alte Zen-Weisheit hinaus: „Die Leere, welche die Fülle ist.“ Doch was sollen wir im Westen auf einmal mit „Leere“ anfangen, wo wir unser ganzes Leben, unseren ganzen Sinn darauf ausgerichtet haben auf Expansion, Leistung, Besitztum und materiellen Gütern! Wie sollen wir Dinge verstehen, die wir nicht mehr konkret in unseren Händen halten können?
 
Die Grundlage des materiellen Weltbildes – übrigens das mythenfeindlichste, das es je gegeben hat, könnte genau das sein, was diejenigen, die ihm anhängen, ein für allemal überwunden zu haben glaubten – den Mythos!
Wir als normal Sterbliche verbringen unsere meiste Zeit in der objektiven Raum-Zeit Wahrnehmung, welche durch unser Bewusstsein gefiltert und beschränkt wird und nicht das „Ganze Mysterium der Natur“ wahrnimmt, welche über das Sichtbare hinaus reicht. Unsere neue Herausforderung liegt aber eben gerade in der Wahrnehmung dieses Größeren, des Ganzen, der Verwobenheit und Vernetztheit aller Teile. Globalität – die Bedeutung dieses Wortes fühlen und leben zu können, dazu sind wir aufgerufen. Unser materielles und lineares „wenn – dann“ Denken reicht für die anstehenden Problemlösung nicht mehr aus.
Nur die Rationalisierung als Grundlage ergibt eine mehr oder weniger lineare Entwicklung. Max Weber sah die Individuen in einem „eisernen Käfig“ eingesperrt, in dem die materiellen Güter immer gewichtiger werden und schließlich zwangsläufig Macht über die Menschen erlangen (vgl. Weber 1988).
Der chilenische Biologe Humberto Maturana stellt fest, dass „alle Dinge, die ausgesprochen werden, von jemanden ausgesprochen werden“. Deswegen lässt sich sagen, dass alle Systeme und Strukturen „durch jemanden oder einem Akteur“ in die Welt gebracht werden. Max Webers eiserner Käfig existiert nur, insofern er durch handelnde Individuen in ihrem täglichen Verhalten und ihrer täglichen Praxis hervorgebracht wird!
Wir haben also unsere gewohnten Handlungsmuster zu durchleuchten, denn diese ergeben unsere Denkstrukturen, die wiederum unser Handeln bestimmen. Dieses unser Handeln ist in unserer Zeit von unserer ureigensten Natur sehr weit entfernt.
 
Die Natur ist im Gegensatz zu unserem rationalen Denken kein linear sich entwickelndes System, sondern ein holistisch, dynamisch offenes System, welches sich in Sprüngen weiter entwickelt.
 
In der Frühzeit prägte die optimale Nutzung eines Siedlergebietes die Kultur ihrer Bewohner.
Damals lebte der Mensch noch in der Einheit, im Einklang mit der Natur, seine Wahrnehmung war eine andere. Sie war offen gegenüber der Sonnenenergie, der Energie der Erde und diese Fähigkeiten sicherten sein Überleben. Licht ist elektromagnetische Welle, ebenso sind diese elektromagnetischen Kräfte auf unsere Erde wirksam und wirken auf unsere Gehirnfunktionen. Ja alle Funktionen, die wir zum Leben brauchen, werden vom Licht angetrieben. Die Sonne und ihre messbaren veränderten Aktivitäten zieht seit geraumer Zeit die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler in ihren Bann. Die Sonne rückt wie in alten Kulturen wieder in eine zentrale Stellung der Betrachtung der Wissenschaft.
Wir leben in einem unsichtbaren, unhörbaren Universum elektro-magnetischer Felder, und wir selbst sind ein Beispiel für energetische Schwingung. Jede unaufgelöste Emotion erzeugt ein disharmonisches Energiemuster, das wir abstrahlen – Ausstrahlung. Die Alltagssprache drückt unser altes Wissen in folgenden Redewendungen aus: „Wir gehen beschwingt nach Hause“; wir begegnen und mit Sympathie oder Antipathie und sagen: „wir ziehen uns an“ oder „wir stoßen uns ab“; Verliebte wiederum meinen: „wir haben die gleiche Wellenlänge“.
 
Beides, Energie und Schwingung, geht auch von allen Lebewesen aus. Sie existiert bei Mensch, Tier und Pflanzen. Sogar „tote Materie“ wie Steine, geben kraftvolle Energie ab bis hin zur radioaktiven Strahlung uranhaltiger Urgesteine. Diese Schwingungen wurden schon von Hildegard von Bingen zum Heilen angewendet und diese Kräfte sind auch noch heute in Arzneimitteln angewandt. Die Wissenschaft versucht, diese alten unsichtbaren Tatsachen und Wirkungsweisen zu entschlüsseln und hat wichtige neue Naturgesetze entdeckt wie die Quantenphysik, die unsere Welt stark verändert, erweitert hat durch neue Technologien.
Wir benützen selbstverständlich Radio, Fernseher, Handy, Faxgerät, Internet und das GPS – alle diese Techniken funktionieren durch Wellen, die wir nicht mit unseren Sinnen wahrnehmen können.
Der Mensch ahmt die Natur heute nicht mehr nur nach, nein er konstruiert inzwischen, den Prinzipien der Natur abgeschaut, Neues: z.B. härteres Holz als die Natur es hervorgebracht hat. „Bionik“ (eine Verbindung von Biologie und Technik) macht dies möglich.
 
Für die Entwicklung von jedem Einzelnen würde dies übertragen heißen: die Natur des Menschen ermöglicht uns durch die Betrachtung der Natur, die Prinzipien des Lebens zu erkennen. Dadurch wird uns bewusst, dass jeder Einzelne mit verantwortlich ist, wie wir unser Leben gestalten und dass kein Teil in einem offenen System wie es die Natur ist, vom Ganzen getrennt ist (Holismus).
 
Das Potential der Natur erschließt sich dem Menschen immer mehr. Sie hat uns durch verbesserte Lebensbedingungen, durch Bewusstsein gegenüber Hygiene, Ernährung….in den letzten 100 Jahren die Möglichkeit gegeben, fast doppelt so alt zu werden. Eine neue Herausforderung wird dadurch präsent: was ist der Sinn meines Lebens im vierten Lebensabschnitt, diesen Jahren, die der Mensch früher gar nicht zur Verfügung hatte und vor allen Dingen, wenn in dieser Zeit der Sinn sich nicht mehr durch Jugend- und Leistungskraft definierten lässt. Alte, lieb gewonnene Gewohnheiten sind oft nicht mehr durchführbar.
Das Leben fordert erneutes Lernen. Ja, der neue Mythos lautet: „Leben ist ein andauernder Lernprozess“.
Erinnern wir uns: das Gehirnmodell hat uns gezeigt, dass jeder Lernprozess auf der Sensomotorik aufbaut. So ergibt sich die daraus folgende Schlussfolgerung: wir sorgen am besten für das Alter in der frühesten Kindheit vor!!! Eine stressfreie Wahrnehmungs-Verarbeitung und Koordination des Körpers ist die Voraussetzung für die Entwicklung von geistiger Freiheit. Je mehr ich über ein gutes Gleichgewicht, Beweglichkeit und Flexibilität verfüge, kann ich im Alter, wenn diese Funktionen sich abschwächen, auf fest verankerte und verinnerlichte Körpererfahrungen zurückgreifen und sie durch mentale Kräfte ausgleichen.
 
Im Gleichgewicht, in Harmonie, im Einklang mit der Natur mit seinem Körper zu sein bedeutet Gesundheit und ist die Voraussetzung für ein menschenwürdiges Altern. Die Fokussierung des Bewusstseins, die Nutzung der mentalen Vorstellungskräfte auf Körpervorgänge kann heilend wirken und ist vielleicht der Schlüssel unserer Zukunft.
 
Unsere äußeren Lebensbedingungen verändern sich drastisch durch Technik und die Wirtschaft hat schnell und sensibel zu reagieren. Innere Strukturen ob persönlich, kulturell oder politisch hängen an alten überholten Strukturen fest.